Freie Pädagogische Initiative für eine Neue Lernkultur

Elterninformation

zum Diplom "Angehender Lernkundler", nach dem Grundlehrgang

Zur Lernberatung, Index, vorige Seite, Kursübersicht, FPI-Infozentrale

Bitte um Beachtung! Alle von hier aus erreichbaren Seiten sind historisch zu sehen. Sie wurden in den Jahren 1996 bis ca. 1998 erstellt und stellen somit meine ersten Schritte ins WorldWideWeb dar. Im Grunde sind alle hier angeführten Angebote spätestens seit der Währungsumstellung Österreichs auf den Euro ungültig geworden.


Über den Sinn des Lernens

Die vorliegende Betrachtung will Sie mit einem Prinzip vertraut machen, das so etwas wie eines unserer Erfolgsgeheimnisse ist. Es ist zugleich etwas, das heutzutage geradezu grundsätzlich und ständig verletzt wird, und was für unzählige Schulsorgen verantwortlich ist: Lernstufen. Das Prinzip besteht aus zwei zusammengehörigen Teilen und ist leicht anzuwenden, wenn man es kennt:

1) Lernen um des Könnens Willen wird in Schritten (besser gesagt: in Etappen) aufgebaut:

Obwohl die Lehrer sich im allgemeinen bewußt sind, daß man vom Leichtesten zum Schwierigen vorangeht, wird dennoch viel zu oft übersehen, daß "leicht" und "schwierig" relativ sind: Was der Lehrer als "leicht" oder "schwierig" ansieht, kann jeder Schüler seiner Klasse anders erleben! Leicht fällt einem nur das, was man verstanden und begriffen hat. Schwierig werden nur jene Dinge empfunden, die man nicht zu verstehen oder zu begreifen vermag. Der Weg zum Können ist daher:

a) Die (verbalen) Angaben zur Sache verstehen und begreifen; dazu gehört auch das Wissen, wozu die besprochene Sache nützlich ist. (Mit "Angaben" ist hier alles gemeint, was über eine Sache mitgeteilt wird, im Grunde die Einzelheiten des Lehrstoffes.)

b) Die besprochene Tätigkeit überhaupt - egal wie fehlerhaft und unbeholfen - ausführen: Ob es Rechnen oder Rechtschreiben, eine Fremdsprache oder geometrisch Zeichnen ist - es TUN lautet die Parole! Alle Fragen und Unsicherheiten, die dabei aufkommen, sorgfältig klären! Das wird viel zu wenig beachtet und ist die Quelle vieler unnötiger Fehler!

c) Dann erst die Tätigkeit richtig auszuführen üben, auch wenn es (anfangs) sehr langsam und mühsam vor sich gehen mag. Es werden Fragen und Unsicherheiten aufkommen, die geklärt bzw. beseitigt werden müssen. Das verlangt bloß nach systematischem Aufbau, oft auch nach VIEL Übung! Wichtig ist dabei nur, stets die positiven Ergebnisse anzuerkennen und das Vertrauen stärken, daß die Fehler mit zunehmender Übung weniger werden. Über Fehler Lamentieren entmutigt völlig unnötig und macht nichts besser!

d) Erst dann wird sich die Fähigkeit entwickeln, die Tätigkeit rasch und richtig auszuführen. Jede Frage bei der Ausführung sollte durch Studium der einschlägigen Lehrtexte geklärt werden. So wird Sicherheit aufgebaut.

2) Lernen heißt gescheiter werden! Egal, was gelernt wird:

Wenn es erst einmal gekonnt ist, mit aller nötigen Konsequenz dafür sorgen, daß der Lernende den Stoff möglichst vielfältig anwendet. Gelernt ist nicht das, was dem Gedächtnis als Wortlaut abgerufen werden kann, sondern das, was als eigene Erfahrung erlebt wurde! Die Sprache drückt es sowieso klar aus: "erfahren" heißt ja, sich (in einem Fachgebiet) fortbewegen und etwas herausholen.

Dieses Prinzip hat sehr viel mit Lernstufen zu tun, wie der Urheber der Studierkunde sie beschreibt und definiert. Lesen Sie bitte in der LERNFIBEL nach, was übergangene Lernstufen - das heißt: ausgelassene, unbeachtete, verschlampte, übersehene Lernstufen - bewirken. Sie werden viel von dem entdecken, was Ihrem Kind das Leben schwer machte.

Beim nächsten Stöhnen Ihres Kindes über etwas "viel zu Schweres!" werden Sie sich daran erinnern: Dieses Gefühl der Überforderung, der eigenen Unzulänglichkeit, der Schwäche und Verwirrtheit, rührt fast nur von einer einzigen Ursache her: Ihrem Kind wurde eine zu große Lernstufe zugemutet! (Oder es hat sich selbst die Lernstufe zu groß gemacht, indem es das oben beschriebene Prinzip aus Unkenntnis mißachtet hat.)

Um die Angaben zu verstehen und zu begreifen, braucht Ihr Kind Verständnis der vorkommenden Wörter und Begriffe, es braucht Bilder und Zeichnungen, Skizzen oder Modelle. Am besten wird es oft sein, daß man einen beschriebenen Vorgang sofort, Satz für Satz der Erklärung, nachvollzieht, womit auch der Teil (1b) vollzogen würde.

Beim Üben wird viel zu oft vernachlässigt, daß "auf Geschwindigkeit oder "unter Druck" erst geübt werden darf, wenn es ohne Zeitdruck mit verschieden schwierigen Beispielen gut geht. Wer sich zu früh auf Zeitdruck einläßt, schafft sich selbst völlig unnötigen Streß! Die Sicherheit und Schnelligkeit kommt mit der Menge des richtig Ausgeführten, nicht mit der Schärfe des Druckes!

Wir können aus Erfahrung sagen, daß Verletzungen dieses Prinzips eine der Hauptursachen schulischer Schwierigkeiten sind. Doch Sie, die Sie Ihrem Kind wahre Erfolge gönnen, werden es vor einer großen Zahl in unnötiger Weise geschaffener Probleme bewahren können, wenn Sie für die Einhaltung dieses Prinzips sorgen. Sie brauchen die Dinge nur "plaudernd" mit Ihrem Kind zu besprechen, es ist nicht nötig und auch gar nicht wünschenswert, daß sie zum "Hilfslehrer" Ihres Kindes werden!

Reden Sie mit Ihrem Kind über sein Leben - das besteht zum größten Teil aus Lernen - und was Sie ihm an guten Ratschlägen geben können, wird es dankbar annehmen und in der Folge wird es gewinnen.

Die von vielen Eltern beklagte "Uneinsichtigkeit" der Jungen, daß sie keinen Rat der Eltern annehmen wollen, hat einen triftigen Grund:

Eltern geben zu viele Ratschläge aus der Sicht des Erwachsenen, und zu wenige aus der Sicht des Lernenden. Für den jungen Menschen erweckt das den Eindruck, daß der Erwachsene nichts von den Sorgen des Jungen verstehe. Hin und wieder ein erinnerndes Gespräch, ein aufmunterndes Wort kann schon viel bewirken.

Unsere Elternseminare sind in erster Linie darauf angelegt, Sie und Ihre Familie darin zu unterstützen, Kindheit und Jugend Ihres Kindes mit mehr Freude zu würzen. Auch ein persönliches Pädagogisches Gespräch könnte Ihnen wertvolle Stütze sein - und vergessen Sie bitte nicht, daß Ihr Kind mit den Grundlagen der Lernkunde gerade die ersten Schritte in ein großes Gebiet macht! Es gibt noch so viel mehr für Ihr Kind zu erfahren. Die Grenzen seiner Erfolgsaussichten liegen dort, wo Sie sie für Ihr Kind setzen! Überzeugen Sie Ihr Kind davon, daß es noch viel besser werden kann, erinnern Sie es an seine Triumphe aus der Ausbildung zum Diplom I! Das Diplom II übersteigt alles bisher Erlebte um ein Vielfaches!

Viel Freude am Wachsen Ihres Kindes wünscht Ihnen Ihr Helmut W. Karl!

Copyright %copy; Helmut W. Karl 1988, 1998, 2017 (Originaltext aus 1988 im erneuertem Seitenlayout.)


Zur Lernberatung, Index, vorige Seite, Kursübersicht, FPI-Infozentrale

Impressum: Helmut W. Karl


Document created by Helmut W. Karl 21AUG96, last update 23Mär2017.